fillTeaser   Keimbelastung von Frostfutter

Anmerkungen

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den auf dem Markt angebotenen Frostfuttersorten. Aber es ist erschreckend, dass der Marktführer Golden Gate fischpathogene Vibrionaceae enthält. Denn diese Keime haben die Potenz, einen Fisch, der keine Immunität gegen diese Keime hat, zu infizieren, auch wenn er ansonsten gesund und ohne Stress ist. Andererseits kann es auch sein, wie im ersten Artikel beschrieben, bei einer entsprechend guten Imunlage, diese Fische über einen langen Zeitrum mit diesem Keim gefüttert werden und nicht erkranken. Dann zeigt sich aber häufig, dass frisch eingesetzte Fische nach kurzer Zeit spurlos verschwinden.

Aus Interesse wurde von uns nun ein Resistenztest für Aeromonas hydrophila und Vibrio metschnikovii in Auftrag gegeben. Dies ist zwar in diesem Fall unüblich, da man einen Resistenztest dann machen lässt wenn man eine Behandlung durchführen möchte, aber uns interessierte die Resistenzlage gegen Antibiotika um evtl. Rückschlüsse auf Antibiotiakeinsatz in den Zuchtstationen schließen zu können. Die Wirkung der Antibiotika ist jedoch durchweg recht gut, so dass nicht anzunehmen ist das durch langjährigen Antibiotikaeinsatz einen Resistenz entstanden ist.

Das auftreten von Virbrionen auf Golden Gate Artemia nahmen wir zum Anlass die Fa. Golden Gate (Novalek) zu kontaktieren. Die Fa. nahm das Problem sehr ernst und versprach sich darum zu kümmern.

Kurz nachdem wir die ersten Ergebnisse in der Hand hielten, lasen wir aufmerksam in der Koralle Ausgabe 34 den Artikel von Dr. Patrick Schubert und Dipl. Biologe Holger Kraus (www.pro-marin.de) über käufliche Lebendfuttersorten.

Patrick Schubert und Holger Kraus sind bekannt durch ihre Erfolge in der Seepferdchen- und Berghia-Zucht Hier konnten wir in einem Satz nachlesen, das auch sie negative Erfahrungen mit Artemien machen mussten. Daraufhin nahmen wir Kontakt mit Patrick Schubert auf und erfuhren dass hier Artemien der Marke San Franzisco für den Zusammenbruch seiner Seepferdchen- sowie Berghianachzuchten verantwortlich war. Im Institut der Uni Giessen wurden Vibrionen sowohl in den Artemien wie im Magendarmtrakt der verstorbenen Seepferdchen, sowie in den Berghiaschnecken und in den Glasrosen nachgewiesen.

Aufgrund dieser Ergebnisse sind wir uns heute sicher, dass viele Fischverluste auf das Konto von Vibrionen auf Frostfutter zurück zu führen sind. Dies ist aus der heutigen Sicht eines der größten Probleme in der Meerwasseraquaristik, die sich besonders dann darstellt wenn man Fische halten will die in erster Linie auf Frostfutter angewiesen sind.

Mit diesem Wissen konzipierte Harald eine Wirkstoffmischung auf Basis von reinen Naturwirkstoffen und empfahl diese Mischung an die Fa. Fauna Marin, die dieses Futter nun in größeren Mengen herstellt. Bei dem Importeur und Großhändler Tropical Live Import zeigten Versuche, dass die Akzeptanz sehr gut war, und die Ausfallrate an frisch importieren Tieren signifikant verbessert wurde.

Dieses Problem scheint nicht nur bei den Aquarianern vorzuliegen. Auf der Messe Fisch & Reptil erfuhren wir von einem Lobsterzüchter aus USA, dass sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Mit einer Übersetzung von Albert Maier (Ecosystem) gelang es uns, den Züchter von unseren bisherigen Erfahrungen mit Artemia und der Keimbelastung in Kenntnis zu setzen.

Im übrigen raten wir jedem Aquarianer der es selber genauer wissen möchte zu einer Untersuchung. Die ist im Einzelfall, mit ca. 30 Euro je Probe (ohne Resistenztest), erschwinglich.

Fazit

Da wir annehmen, dass sich auf kurz oder lang an der Keimbelastung nichts ändern wird, empfehlen wir alle Frostfuttersorten vor der Verwendung gründlich zu spülen und nach dem Auftauen sofort zu verfüttern.
Nicht nur dass man die Phosphatbelastung minimiert, man kann dadurch auch eine Großzahl der Keime wegspülen.


Der Artikel "Pathogene Bakterien im Meerwasseraquarium / Teil 2: Keimbelastung im Frostfutter" von Tierarzt Harald Mülder und Robert Baur-Kruppas wurde mit deren freundlicher Genehmigung hier veröffentlicht. Text und Bilder unterliegen dem Urheberrecht der Autoren. Eine Weiterverwendung, gleich welcher Art, bedarf deren Zustimmung!

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