fillTeaser   Aggressionsreduktion durch freundliche Umgebung

Eine freundliche Haltungsumgebung macht Fische friedfertiger und umgänglicher. So zeigen es neueste Forschungen, die in der aktuellen Ausgabe des Journals "Neotropical Ichthyologie" von den brasilianischen Wissenschaftlern Vivian O. Kadry und Rodrigo E. Barreto veröffentlicht wurden.

Geophagus brasiliensisAls Forschungsobjekt diente der süd- amerikanische Brasil-Perlmuttbarsch Geophagus brasiliensis. Die Autoren über- prüften die Hypothese, dass ein Fisch sein Revier in Abhängikeit von dessen Beschaffenheit verteidigen würde, sprich, ein vorteilhaftes Revier wird stärker verteidigt als ein nicht so vorteilhaftes.

Sie setzten die Cichliden in zwei unter- schiedliche Aquarien: ein Habitat mit zwei Kieseln und einer Kelppflanze aus Kunststoff sowie in ein Habitat, welches nur aus dem reinen Glasbecken bestand.

Die Autoren beließen nach geraumer Zeit nur einen revierbildenden Fisch in den Aquarien, bevor sie einen Eindringling in gleicher Größe dazu setzten und die Formen eines agressiven Verhaltens zwischen den Fischen beobachteten und zählten, wie z.B. beißen, seitliches Drücken, jagen oder Maulzerren.

Die Resultate zeigten, dass alle Fische in den leeren Aquarien in irgendeiner Form einen Angriff starteten, aber nur die Hälfte von denen, welche sich in den "eingerichteten" Aquarien befanden. Das Phänomen, welches in einer qualitativ höherwertigen Haltungsumgebung zu einer weniger kämpfenden bzw. ruhefördernden Koexistenz führt, liegt theoretisch offenbar in einer erhöhten Energieleistung eines revierbildenden Fisches in einer Umgebung mit verringerter Sicht.
Wegen dieser erhöhten Energieleistung, so vermuten die Autoren, beschließt ein Fisch in einer mit Sichtschutz versehenen Umgebung schlichtweg, eine weniger aggressive und ruhige Koexistenz als die beste Strategie anzunehmen.

Dass die Einrichtung eines Aquariums einen entscheidenden Einfluss auf die Friedfertigkeit von Fischen ausübt, war ja bekannt. In einem gut strukturierten Aquarium kommt es zu weit weniger innerartlichen Aggressionen als in einem dürftig eingerichteten Pendant.

Nur ist der Grund für unterbleibende, massive Revierverteidigungen in vielen Fällen offenbar nicht der, das der Fisch nichts von einem Mitbewohner weiß, sondern dass der revierbildende Fisch in einem dicht bepflanzten Aquarium mangels Sichtkontakt nach potentiellen Widersachern suchen muss. Sowas kostet Energie, die ein wechselwarmes Tier wie ein Fisch nicht selbst erzeugen kann.

Da ein Fisch durchaus mit seinen Resourcen haushalten kann bzw. muss, gibt er sich mit seinem kleineren Revier zufrieden und lässt in einem gut eingerichteten Aquarium eher mal fünfe grade sein statt die Sau raus zu lassen und das Aquarium nach potentiellen Widersachern zu durchpflügen ;)

Quelle: Neotropical Ichthyologie 8, Seiten 329–332, VÖ 28.06.2010

(ib)

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