fillTeaser   Geschlechtsumwandlung durch Abwässer

Nach einer Studie des U.S. Geological Survey (USGS) führen verschiedene Chemikalien in Flussläufen der USA zu Veränderungen der Geschlechtsmerkmale diverser Fische, im Besonderen des dort weit verbreiteten Schwarzbarsches (Micropterus dolomieu).

Micropterus dolomieuDas Ergebnis der Studie wurde nun in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "Aquatic Toxicology" veröffentlicht.

Danach trugen von den 16 zwischen 1995 und 2004 untersuchten Fischarten ein Drittel der Schwarzbarsche und ein Fünftel der Forellenbarsche unreife, weibliche Eizellen in ihren Testikeln. Vereinzelt gab es auch weibliche Fische mit Merkmalen männlicher Tiere.

Die leitende Biologin Jo Ellen Hinck vom "USGS Columbia Environmental Research Center" vertritt die Ansicht, dass Abwässer, die aus Pestiziden, Hormonrückständen (z.B. aus Antibabypillen), Schwermetallen und Resten von Shampoos oder Waschmitteln bestehen, die Hauptursache für dieses quer durch die USA beobachtete Phänomen sind.

Untersuchung vor OrtDie Wissenschaftler fanden an einem Drittel aller untersuchten Standorte die veränderten Fische. Untersucht wurden Flussläufe wie Apalachicola, Colorado, Columbia, Mobile, Mississippi, Pee Dee, Rio Grande, Savannah und Yukon River. Der Yukon River war dabei der einzige Fluss, in dem keine derartigen Tiere entdeckt wurden.

Laut Hinck betraf die Verweiblichung nahezu ausschließlich Schwarzbarsche. Warum diese Art besonders betroffen ist, konnte noch nicht geklärt werden.

Daneben wurde in einem Wels die geschlechtliche Veränderung erstmalig nachgewiesen.

Desweiteren gibt es offenbar noch unbekannte Ursachen, welche das Wachsen weiblicher Eizellen in männlichen Fischen begünstigen. So wurden im Yampa River, einem Nebenfluss des Colorado, sehr viele "verweiblichte" Männchen des Schwarzbarsches gefunden, obwohl die vermeintlich auslösenden Substanzen an den entsprechenden Fundorten gar nicht vorlagen.

Das Ergebnis bei Schwarzbarschen stellt sich u.a. folgendermaßen dar (Auszug):

  • Mississippi River nahe Lake City, Minnesota = 73%
  • Yampa River nahe Lay, Colorado = 70%
  • Columbia River nahe Warrendale, Oregon = 67%
  • Salmon River nahe Riggins, Idaho = 43%

Bereits in früheren Studien wurde die Verweiblichung von Fischen als Einfluss von Linkendokrinen Disruptoren nachgewiesen, darunter auch synthetisch hergestellte Östrogene. Die geschlechtlich veränderten Fische sind zwar noch reproduktionsfähig, die Fortpflanzung ist jedoch Hincks Angaben zufolge deutlich geschwächt.

Natürlich soll jetzt keine Panik verbreitet werden, schließlich gab es bereits in den 1970ern in Dänemark das Phänomen, dass Männern Brüste wuchsen, verursacht durch Östrogene in Hühnerfleisch aus Mastanlagen. Es wird hier nur klar, welche Resultate der unbedachte Umgang mit unserer Umwelt, in diesem Fall das Einbringen von Schadstoffen in den Wasserkreislauf, hervorbringen kann.

Wer weiß, vielleicht gibt es den dreiäugigen Fisch demnächst nicht nur in Springfield ;)

(C) Matt Groening

Quelle: U.S. Geological Survey
(LinkWidespread Occurrence of Intersex Bass Found in U.S. Rivers )

(ib)

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