fillTeaser   Buchbesprechung: "Wie das Meer nach Hause kam"

Die Erfindung des Aquariums" ist ein passender Untertitel für dieses Buch.

Bernd Brunner hat sich auf die mühsame Reise in vergangene Zeiten begeben, um uns darzulegen, wann die Aquaristik entstanden ist und vor allem wie und warum.

Aquarium um 1860 Herausgekommen ist eine unterhaltsame Abhandlung, die auch anhand vieler zeitgenössischer Abbildungen nicht nur das Phänomen "Aquarium" erklärt, sondern zudem die damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen reflektiert, so dass der Leser einen Einblick in die bürgerliche Lebens- und Wissenswelt des 19. u. 20. Jahrhunderts bekommt.

So erfährt man zum Beispiel, das der Begriff "Aquarium" aus dem Jahre 1853 und von dem Briten Philipp Henry Gosse, einem autodidaktischen Naturkundler, stammt, das erste, öffentliche Meerwasser-Aquarium bereits 1860 in Wien eingeweiht oder dass das erste, begehbare Groß-Aquarium 1867 auf der Pariser Weltausstellung installiert wurde.

"Das war damals etwas ganz Neues - wie für uns vor 30, 40 Jahren das Weltall. Die Tiefsee war ein Rätsel, und das Aquarium war das Mittel, um ihm näher zu kommen. Es gab keinen Jacques Cousteau, keine Fotos. Das Aquarium hat die lebendigen, bunten Bilder nach Hause geholt", so Bernd Brunner.

Auch amüsantes ist nachzulesen, wie z.B. die im 19. Jahrhundert aufkommenden Versuche, Lebewesen aus den Ozeanen auf Süßwasser umzugewöhnen. Weitere Anekdoten, die heutzutage ein Schmunzeln hervorrufen, finden sich locker verstreut durch die Kulturgeschichte der Aquaristik.

LiteraturDie Wurzeln der heimischen Fischhaltung gehen bis in das alte China des 10. Jahrhunderts, ja sogar bis in römische Zeit zurück.

Von den mühsamen Gehversuchen der Neuzeit ab ca. 1830, wo versucht wurde, die Aquaristik für die Forschung zu etablieren sowie einer breiteren Masse zugänglich zu machen - mit recht bescheidenem Erfolg, denn artgerechte Haltung war damals noch ein Fremdwort - bis hin zu den riesigen Biotop-Aquarien der Weltausstellungen und Zoos ist dank dieses Buches der Werdegang der Aquaristik leicht nachzuvollziehen.

Durchlüfter um 1880Ergänzt wird die Abhandlung mit der Darstellung diverser, technischer Errungenschaften, mit denen versucht wurde, die Tiere im Wasser am Leben zu halten. Ungetüme, die, wie auch die Erbauer zum Teil zugaben, lieber nicht neben dem Aquarium stehen sollten ;)
Auch auf die aufstrebene, aquaristische Literatur wird in dem Buch eingegangen, deren Zitate doch manchmal zu einem Kopfschütteln animieren - aus heutiger Sicht gesehen.

Interessant ist auch die gewonnene Erkenntnis, dass es schon Ausgangs des 19. Jahrhunderts "schädlichen Krimskram" wie bunte Höhlen oder Burgruinen für Aquarien gab, die in damaligen Aquarianerkreisen nicht immer auf Verständnis stießen.

Einige Dinge ändern sich halt nie ;)

Nach und nach eroberten die Aquarien dann die Wohnzimmer, inzwischen pflegen allein in Deutschland etwa 2,5 Millionen Aquarianer eine Vielzahl der verschiedensten Fische, ein Ende dieses Booms ist noch nicht absehbar.

Fazit: wer dem Hobby "Aquaristik" verfallen ist, sei diese erkenntnisreiche als auch vergnügliche Lektüre wärmstens ans Herz gelegt. Auf alle Fälle ist dieses Buch eine Bereicherung für die Aquaristik, weshalb es in keinem Bücherschrank fehlen sollte.

Wie das Meer nach Hause kam Gebundene Ausgabe
141 Seiten
Transit Buchverlag
Erscheinungsdatum: August 2003
ISBN: 3887471849
Preis: 16,80 Euro
Bernd Brunner Bernd Brunner, 1964 geboren, studierte Wirtschaft, Amerikanistik und Kulturwissenschaft in Berlin und Seattle und arbeitete als Journalist für die Deutsche Welle, arte und n-tv. Er lebt heute als Autor und Übersetzer in Berlin.
Sein Interesse an Kulturgeschichte und etwas antiquarische Aquaristikliteratur, gefunden auf einem Flohmarkt, führten zur Entstehung dieses Buches. Aquarianer ist Bernd Brunner selbst nicht (persönl. Mitteilung).

(ib)

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