fillTeaser   Eine Krabbe aus dem Malawisee

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung konnte ich bisher noch nicht beobachten, da ich noch keine männliche Potamonautes auftreiben konnte. Sie soll jedoch folgendermaßen ablaufen. Die Kopulation erfolgt nur bei einem frisch gehäuteten Weibchen. Dieses wird vom Männchen auf den Rücken gedreht, worauf das Weibchen sein Pleon ausklappt und über das Männchen legt. Das Pleon des Männchen, auch Petasma genannt, ist nicht durchgehend segmentiert, die ersten Teilringe (Pleopoden) sind starr. Diese werden in die Geschlechtsöffnung des Weibchens eingeführt und ein Spermienpaket abgelegt. Der ganze Kopulationsakt kann mehrere Tage dauern, danach findet das Ablaichen statt. Die Eier werden von dem Weibchen mit einem Sekret an die Innenseite ihres Pleons geheftet und dort ausgebrütet.

Haltung und Pflege

4. Bild der KrabbeDie Pflege von Potamonautes lirrangensis stellt sich als recht unproblematisch dar, solange man einige Punkte beherzigt.
Die Krabbe läßt sich mit Stinten, Seelachsfilet, Futtertabletten und dergleichen füttern, ebenso werden auch im Becken liegende, verendete Fische nicht verschmäht. Die Fütterung erfolgt bei mir täglich, z.B. wird ein Stint dazu auf einen langen Holzspieß gesteckt und der Krabbe gereicht. Schneckenfreund sollte man allerdings nicht sein, diese werden mit den sehr sensiblen, stachelartigen Füßen aufgespürt und mit den Scheren gnadenlos geknackt. Auch beim Füttern mit den Fingern, meine Krabbe ist sehr zutraulich geworden, sollte man aufpassen. Packt sie einmal zu, läßt sie so schnell nicht wieder locker, und es tut höllisch weh, ich weiß wovon ich rede.

Gegenüber gesunden, lebenden Fischen verhält sich die Krabbe in allgemeinen friedlich, auch wenn sie manchmal nach ihnen schnappt, was jedoch eher eine Drohgebärde darstellen dürfte (Heben und Spreizen der Scheren). Kranke, schwache oder in die Enge getriebene Tiere greift sie an und verspeist sie. Ich habe auf diese Weise einen in die Enge getriebenen Protomelas steveni und einen Ancistrus hoplogenys verloren.
Daher sollte man Aufbauten so errichten, daß den Fischen stets ein Fluchtweg offen bleibt. Pflanzen wurden dagegen auch nach einwöchiger Hungerperiode nicht angefressen.

Sollte die Krabbe einmal partout tagelang keine Nahrung annehmen, steht meist die Häutung bevor. Man erkennt dies auch an der zunehmenden Wühltätigkeit. Irgendwann verkriecht sie sich in ein geschütztes Versteck und streift den alten Panzer ab. Nach einigen Tagen läßt sie sich, etwas blaß zwar, wieder sehen.

5. Bild der Krabbe Allzu großen Wert auf seine Beckeneinrichtung sollte man nicht legen, die Krabbe schafft es ohne weiteres, tennisballgroße Steine zu bewegen, was sie auch gerne tut. Sie gräbt ständig im Kies herum, sodaß des öfteren schon mal Pflanzen ihres Haltes beraubt werden.

Da alle Potamonautiden wahre Kletterkünstler sind, sollte man darauf bedacht sein, das Becken immer gut abzudecken. Bei Uka Aquarienbau sind drei Tiere ausgebrochen, zwei der verdammt schnellen Flüchtlinge wurden wieder eingefangen, einer blieb bis heute verschwunden. Werden bei ähnlichen Aktionen oder innerartlichen Konflikten Extremitäten beschädigt, werden diese autamputiert. Innerhalb der nächsten Häutungen wachsen diese wieder nach. Ein verlorenes Bein ist daher nicht weiter schlimm.

Die Krabben sollten nur einzeln oder paarweise gehalten werden, da es bei gleichgeschlechtlichen Tieren zu heftigen Kämpfen kommen kann.

Die frühere Meinung, diese Krabben würden rein aquatil leben, wurde inzwischen revidiert. Potamonautes lirrangensis benötigt einen Landteil, daher sind die Becken so einzurichten, dass die Krabbe auch aus dem Wasser herausgelangen kann - natürlich ohne das Becken verlassen zu können ;)
Oder man richtet gleich ein Artbecken mit abgesenktem Wasserstand ein.

Resümee

In meinem Becken ist die Krabbe inzwischen zum Star avanciert. Jeder Besucher will sie sehen und die Kommentare reichen von "hab ich ja noch nie gesehen" bis "abgefahren". Nach den Fischen fragt kaum noch jemand. Leider ist die Potamonautes lirrangensis sehr selten im Handel anzutreffen, doch sie stellt meiner Meinung nach eine Bereicherung für jedes Malawi-Becken dar. Falls nun jemand auf den Geschmack gekommen ist, nur zu. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein Männchen beschaffen und die Nachzucht dieser interessanten Wirbellosen demnächst in Angriff nehmen. Wer sich ebenfalls intensiver mit diesen Tieren beschäftigen möchte, sei folgende Literatur empfohlen:

Alfred Kaestner : "Lehrbuch der speziellen Zoologie" Band I, Wirbellose 2. Teil
(Gustav Fischer Verlag, 1967)
Westheide / Rieger : "Spezielle Zoologie" Teil 1, Einzeller & Wirbellose Tiere
(Gustav Fischer Verlag, 1996) ISBN 3-437-20515-3
versch. Autoren : "Enzyklopädie Urania Tierreich" Wirbellose Tiere 2
(Urania Verlag, 1994) ISBN 3-332-00491-3

Weiterführende Seiten :
http://www.panzerwelten.de/forum/showthread.php?tid=837&pid=7601#pid7601
http://www.malawipoint.de/forum/thread.php?threadid=5783
 

Video:
http://crusta.de/videos/3678_3678
 

 

Abschließend noch ein Dank an Stefan Smolinka, der mich mit seiner Kurzbeschreibung der Potamonautes in der DATZ 4/97 zu diesem eingehenden Studium angeregt hat.

Oktober 1997 (Update 2008: Änderung des Artnamens)

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